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Skyguide baut 220 Stellen ab

19. Mai 2026

Taktisch klug hatte die Schweizer Flugsicherung zunächst die Personalreduzierung auf der Chefetage angekündigt. Jetzt folgt die Ankündigung, in Dübendorf und Genf voraussichtlich 220 Mitarbeitende zu entlassen, um das Unternehmen «finanziell und organisatorisch stabiler aufzustellen». Unrühmliche Erinnerungen tauchen auf.

skyguide 2024 tower 310 Tower in Kloten.

Bei offiziell zurzeit 1464 Vollzeitstellen der Schweizer Flugsicherung würde das einen Abbau von rund 14 Prozent der Beschäftigten bedeuten. So, wie es aussieht, ein enormer Aderlass. Skyguide will ein Konsultationsverfahren eröffnen. Ausdrücklich nicht von den potenziellen Entlassungen betroffen sein sollen die operativ tätigen Flugverkehrsleiter, in Schlüsselposition als Sicherheitsfaktor unverzichtbar hochqualifizierte Arbeitskräfte.

Rund 14 Prozent betroffen

In Erinnerung geblieben sind grossen Bevölkerungsteilen am Bodensee immer noch tragische Zwischenfälle wie am 1. Juli 2002 die Kollision zweier Flugzeuge, einer Tupolew Tu 154M der Bashkirian Airlines mit von der UNESCO für gute Schulleistungen eingeladenen Kindern, und einer DHL-Frachtmaschine vom Typ 757-200, bei der in 11000 Metern Höhe bei Überlingen 71 Menschen ums Leben kamen.

skyguide rueckgang2 310 Fotos (2): Flughafen Zürich AG

Als Ursache wurde seinerzeit ermittelt, dass das Area Control Center der Skyguide in Zürich damals aus Gründen der Personaleinsparung knapp besetzt war. Ein dänischer Fluglotse, der wenig später von dem Vater eines der baschkirischen Kinder ermordet wurde, hatte in einer Nachtschicht aufgrund einer kurzen «Sanitär»-Pause eines Kollegen zwei Radarschirme gleichzeitig zu überwachen.

Tragische Ereignisse

Dabei musste er während des Landesanflugs einer anderen Maschine am ebenfalls im Auge zu behaltenden Flughafen von Friedrichshafen immer wieder zwischen zwei Monitoren hin- und herwechseln, die zwei Meter auseinanderlagen. Aufgrund von Wartungsarbeiten bei der Bodenkontrolle in Zürich waren zudem einige unterstützende Flugsicherungssysteme nicht verfügbar, mehrere Telefonleitungen zu in der Region benachbarten Flugkontrollzentren waren ausgefallen.

skyguide ATC Kloten 310 Ausbildung in der ATC. Foto: Skyguide

Entschädigungen der Angehörigen der Opfer wurden seinerzeit von Beobachtern als unzureichend empfunden. Nicht sonderlich beliebt machte sich die Winterthur Versicherung als Haftpflichtversicherung, indem sie vor dem Landgericht Konstanz wegen einer behaupteten Mitschuld der Piloten der Tupolew 60 Prozent von den an die Hinterbliebenen der DHL-Crew gezahlten Abfindungen, rund 2,5 Mio. Euro, zurückzuholen versuchte. Grund war, dass Skyguide seine Air Traffic Control (ATC) nach allgemein gültigen Regeln korrekt gehandhabt habe.

Strukturelle Anpassungen

Nun also «strukturelle Anpassungen» in einem insgesamt immer noch hochsensiblen Bereich. Der ins Auge gefasste Stellenabbau soll in zwei Phasen erfolgen. In einer ersten Phase von September bis November 2026 könnten laut Unternehmens-Leitung bis zu 90 Mitarbeitende betroffen sein. In einer zweiten Phase zwischen Mai und Juni 2027 dürften bis zu 130 weitere Stellen entfallen.

skyguide lower airspace 310 Lower Airspace am Bodensee

Grund für die Massnahmen seien der wachsende wirtschaftliche Druck, steigende Personal- und Systemkosten, unsichere Einnahmen, europäische Effizienzziele und komplexe interne Strukturen. Die Personalkosten lagen 2025 bei rund 382 Millionen Franken bei Gesamtausgaben von 576 Millionen. Skyguide will ihre «Effizienz erhöhen, Komplexität abbauen und ihre Ressourcen stärker auf den Kernauftrag ausrichten». Der Betrieb bleibe in diesem Prozess «jederzeit gesichert». Sicherheit und Betriebskontinuität seien für die Schweizer Flugsicherung nicht verhandelbar.

Natürliche Fluktuation

Skyguide, so verlautet aus der Route de Pré-Bois in Genf, prüfe nun im Zuge des Konsultationsprozesses gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Arbeitnehmer-Vertretungen alle möglichen Massnahmen, um Entlassungen zu vermeiden oder zu reduzieren. Dazu sollen weniger Neueinstellungen, Frühpensionierungen, interne Wechsel sowie ein geringerer Einsatz externer Mitarbeitenden gehören.

skyguide wrack 310 Überlingen im Juli 2002

Skyguide hat das Konsultationsverfahren am 19. Mai 2026 eröffnet. Es dauert 30 Tage. Bis am 18. Juni 2026 können Mitarbeitende, Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften Vorschläge einreichen, um Entlassungen zu vermeiden oder deren Folgen zu mildern. Anschliessend entscheide das Unternehmen über das weitere Vorgehen.

www.skyguide.ch / klk.

 








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