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Extrem-Logistik im XXL-Format

25. Mai 2026

Die Handhabung gigantischer Mengen an Erdaushub und Gerüsten für Bauprojekte in der City, wie auch der Transport Hunderter von Militärfahrzeugen zum Trias 25-Manöver in Österreich standen beim diesjährigen Logistik-Kolloquium von Dr. Acel & Partner im Dozentenfoyer der ETHZ im Mittelpunkt des Interesses. 

  USZ-Aushub. Foto: Eberhard

Hintergründe und Informationen zu den Begleitumständen «Extremer Logistik» lockten im Hauptgebäude des Zentralcampus – vorbei an Wegweisern wie dem zu «Einstein(s) Spind» auf Stockwerk «F» - über 60 Interessierte ins Dozentenfoyer. Hochkarätige Fachvorträge über Baulogistik in der Innenstadt und umfangreiche Transporte von der Logistikbasis der Armee zu gemeinsamen D-A-CH-Manövern ins österreichische Allentsteig (nicht zu verwechseln mit «Altensteig») hinterliessen bei Logistik-Experten und geladenen Gästen bleibenden Eindruck.

Hochkarätige Fachvorträge

Nach Einführung ins ingenieurwissenschaftliche Umfeld durch Konrad Wegener, Emeritierter Professor für Produktionstechnik und Werkzeugmaschinen an der ETH Zürich, tauchte das Publikum in die Rolle des nicht akademischen Gerüstbaus ein. Peter Acel: «Ich wusste gar nicht, dass dort 90 Prozent der Aktivitäten aus Logistik bestehen». Ohne dieselbe ginge dort aber auch nichts. René Schmid, Mitglied der Geschäftsleitung bei der «Roth Gerüste AG», klärt darüber auf, dass die zur Hochsaison bis zu 1100 Mitarbeitenden «nicht einfach nur aufladen und dann zur Baustelle fahren».

P.Acel, R.Schmid: Über 90 Prozent Logistik. Foto: klk.

Über 300 Lieferwagen, 58 Lkw und 78 Stapler sind zugange, um extrem schweres Material (bei nur geringem «Automatisierungsgrad») jeweils zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. 225.000 Tonnen an Material werden im Lauf eines Jahres bewegt – und der Terminkalender ist zwangsweise «fremdgesteuert». Immerhin: Seit 2022 wurde – an lärmtolerantem Standort - eine «Nachtverladung» organisiert.

Überblick per Drohne

Waren es zuvor 1,5 Stunden pro Mann, die beim Verladen der Bretter, Stangen und Rohre benötigt wurden, sei es heute im Schnitt nur noch etwas mehr als eine halbe Stunde, um alles parat zu haben.  Ein paar Drohnen sind dann auch am Aufbau-Ort noch unterwegs. Dabei geht es, so Schmid, «nicht darum, aus dem einzelnen Mitarbeitenden noch mehr Leistung rauszuholen, sondern um den Überblick».

acel geruestbau1 310

Wenn Silvan Eberhard vom gleichnamigen Bau-Unternehmen auf Baustellen wie dem voraussichtlich 923 Mio. Franken teuren Neubau des Universitätsspitals (USZ), Campus Mitte1 und Mitte2, direkt gegenüber der ETH unterwegs ist, dann meist mit dem eBike, sagt er. Das ist auch besser so. Denn angesichts des dichten Verkehrs an der Rämistrasse, meint er, «käme ich sonst gar nicht mehr durch».

Archäologische Zwangspause

5 Mio. km addieren sich bei Eberhards insgesamt 700 Mitarbeitenden, 300 Baumaschinen, 85 schweren Lkws und 2000 Paletten-Stellplätzen auf enorme Wegstrecken. Als eine archäologische Fundstätte in der Baugrube der von Christ & Gantenbein entworfenen Gebäude mit zwei Skeletten (Teilnehmerfrage: «Behandlungsfehler aus der Vergangenheit oder einstige Bauleiter?») auftauchte, sei dies sogar eine willkommene Verschnaufpause gewesen.

Acel 170000 S Eberhard 310 Schneller mit dem eBike: S.Eberhard

Hinzu komme die Verkomplizierung durch die «Bahntransportpflicht» des Kantons Zürich, die bei Bauvorhaben ab 25.000 Kubikmetern (hier sind es 170.000...) seit 2021 vorschreibt, dass 80 Prozent auf der Schiene abgewickelt werden müssen. Die verbliebenen 20 Prozent, so Eberhard, seien bereits auf den 14,3 km zum Bahn-Umlad in Rümlang (hin und zurück 28,6 km) «aufgebraucht».

3000 kg weniger Nutzlast

Kleiner Wermutstropfen ist, dass zwei Elektro-Lkws, die für teures Geld angeschafft wurden um die CO2-Bilanz zu senken, aufgrund ihrer schweren Batterien wegen der höchstzulässigen Achslast die noch zur Verfügung stehende Nutzlast der betreffenden Fahrzeuge um 3000 kg reduzieren. Bei alles in allem 19.729 Lkw-Fahrten (davon 17.101 mit Aushub) würden Dieselfreunde bei komplettem Elektrobetrieb auf zusätzliche 658 Fuhren hochrechnen, um den Rückstand wieder aufzuholen. Ausgeprochenes Pech  – bei  aller Sympathie für den Hersteller - auch die geringere Bodenfreiheit auf Baustellenzufahrten. Da schmerzt nicht nur der höhere Preis für die Elektro-Sattelzugmaschine von 450.000 Franken (180.000 wären es für einen «Diesel»). Auftraggeber ist beim USZ die öffentliche Hand. Eberhard: «Wir haben uns mit unserem Geschäftsmodell auf die Vorgaben eingestellt».

Acel Trias25 Ankunft OE 310 Foto: F. Penseyres

Ein weiteres Mal wird es hochspeziell mit Philipp Blumer, der hauptberuflich bei der Sensirion AG mit dem Kalibrieren von Sensortechnik beschäftigt ist, und im Dozentenfoyer über die Logistik für die Dreiländer-Übung Trias 25 der Militärs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im österreichischen Allentsteig berichtet. Der Aufwand, der für die Stärkung der Verteidigungs-Bereitschaft der Alpen-Anrainer getrieben wird, ist immens – und ohne professionelle Logistik geht hier gar nichts.

Spannendes über Trias 25

350 Fahrzeuge, Leopard-Panzer, Schützenpanzer, Brückenlege-Panzer, Tankfahrzeuge und 5 Feldküchen (mit 15 t an Lebensmitteln aus der Schweiz) sind zu transportieren (die Deutschen dürfen mitessen). Elf Züge mit 177 Waggons sind über 850 km Strecke an den Ort des Manövers zu verlegen. 920 Schweizer Armeemitglieder werden mit 28 Bussen chauffiert.

Acel Ph Blumer TN 310 Ph.Blumer (li.): «Wenn das noch nie einer gemacht hat…». Foto: klk.

Wichtig bei dieser Übung: Die Versorgung muss in technischer und sanitätsdienstlicher Hinsicht auch unter gegnerischer Einwirkung sichergestellt sein. Das ist gar nicht so einfach. Etwa das Betanken eines Panzers während des Gefechts. Blumer: «Wenn das noch nie einer gemacht hat…». Viele der Teilnehmenden kommen frisch von der Rekrutenschule, andere werden aus dem Zivilleben gerissen.

Simulation vs. Realität

Am Schluss kostet die Übung im Ausland laut Divisionär Rolf André Siegenthaler, der als Prominenz in den Reihen der sachverständigen Teilnehmer sitzt, angeblich nur «8 Prozent mehr, als ein Wiederholungskurs» in der Schweiz. 99 Prozent der Mehrkosten stecken in der Logistik und in hinzugezogenem Personal.

 Acel Div Siegenthaler Wegene 310 Siegenthaler, K.Wegener

Blumer auf die Frage, ob sich – ähnlich wie bei der zunehmenden Handhabung bei Logistikprojekten – noch etwas durch mehr Simulation einsparen liesse: «Wir simulieren schon viel». Aber das ersetze nicht die Realität. Siegenthaler: «Das ist ja genau das Thema beim Manöver – die Frage, wie sich die Dinge in der physischen Wirklichkeit darstellen».

Versorgung im Gefechtszustand

Interessante Fragen für Logistik-Experten: Wieviel Puffer braucht eine Lieferkette unter Druck? Ab wann wird Redundanz zur Verschwendung? Was passiert, wenn der wichtigste Spezialist ausfällt?

Acel Zuhoerer3 1500 Zahlreiche Fragen

Vom Manöver in Österreich wurde schliesslich erfolgreich auch das Material wieder mit zurückgebracht. Acel schmunzelt: «Sonst wäre das ein Waffenexport gewesen».

 Ein Abend, der mit angeregtem Erfahrungsaustausch und Networking der Beteiligten über den Dächern der Limmat-Metropole, vor dem Panorama des Zürisees und der dahinter immer noch schneebedeckten Alpenkette angenehm ausklingt.

www.acel.ch

 

 

Übrigens:

Einstein spinnt?

2018 wurde im Rahmen von Führungen durch die «ETH Zürich» zu Ehren eines der bekanntesten Absolventen der ETH Zürich ein aussergewöhnliches Exponat konzipiert. Der ehemalige Spind von Albert Einstein wurde neu zum Leben erweckt, um seine Zeit und sein Schaffen in Zürich zu dokumentieren.

Acel einsteins spind color 1920 310 Ehrenhalber: Einsteins Spind an der ETHZ

Beim Blick in den Spind taucht man in die Welt des Vaters der Relativitätstheorie ein. Dabei erhält man durch Bilder, Texte und Musik Einblicke in sein Privatleben, seine Interessen, seine Überzeugungen und seine Macken. Licht, Musik und Animation addieren sich beim Öffnen der Tür mit dem Licht der Schreibtischleuchte und Einsteins Lieblingslied – Mozarts «Violin Sonata Allegro Con Spirito» - zum interaktiven Ereignis.

Alles ist relativ

Fotografien an der Wand offenbaren auf ihrer Rückseite Texte über Einsteins Leben und durch Herausziehen der obersten Schublade erscheint ein animierter Plattenspieler, der Einsteins Kernüberzeugungen wiedergibt.

Acel einsteins spind2 color 1920 310 Fotos: Lucid GmbH

Die hatte der Physiker und Humanist 1932 in seinen letzten Jahren in Berlin verfasst. Gern liess er auch provozierende Ansichten vom Stapel.

Der Spind ist Teil der «ETH Zürich Tours» im ETH Hauptgebäude, Stockwerk F 

www.lucid.ch








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